19.05.2013

Ikone in Weiß

Am vergangenen Freitag waren jüngere Tochter und ich auf einen Kindergeburtstag eingeladen. Den vierten des Mädchens und weil bei den anderen Kindern die Mütter mitkamen blieb auch ich da.

Sie haben neu gebaut und es ist alles noch ganz unfertig. Aber blitzblank und ganz aufgeräumt. Bestimmt für uns. Aber bestimmt auch sonst regelmäßig, denn wer kleine Kinder hat und sich trotzdem eine hochglänzendweiße Küche, einen großen Esstisch mit weißem Milchglas und weißglänzende Wohnzimmermöbel über weißgefliestem Boden und vor weißen Wänden hinstellt - der hat keine Angst vor Schmier und Schmutz, der putzt. Natürlich, regelmäßig, wie von selbst. Vermute ich.

Das ist nix für mich.
Nicht wegen des Putzens.
Ich brauche Farbe um mich. Bei uns ist im Wohnzimmer alles in hellem Holz (Essbereich) und dunklem Holz (LungeraufderCouchrumbereich) und vor gelben Wänden bunt dekoriert.
Was mir aber in all dem Weiß auffiel: Die Fotos vom Geburtstagskind, ihrer kleinen Schwester und vom Ehepaar kamen so gut zur Geltung! Sie hatten auch so viele hängen. Mir gefiel das sehr. Mein Mann und ich kommen aus Familien, in denen keine Fotos aufgehängt wurden. Bei uns nur Stickbilder und bei ihm nur Pferde- und Schafsbilder. Dementsprechend gibt es bei uns relativ wenige Fotos. 2 stehen auf dem Regal im Flur. 4 recht kleine im Wohnzimmer, neben dem Fernseher. In der Küche hängen die Wasserfarbenbilder auf Kleinkindniveau, die ich vor Jahren malte und die meine Mutter immer veranlassen kopfschüttelnd zu sagen: "Ich kapier nicht wie, aber irgendwie sehen diese Bilder den beiden sehr ähnlich." Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Es wirkt etwas lieblos auf mich. Gewollt und nicht ganz geschafft.

Die wunder-wunderschönen Fotografien, von der Profi-Fotografin einmal im Jahr im Kindergarten, all die liebenswerten Schnappschüsse, die ich im Laufe der Jahre geschossen - in dem einen Regal da durcheinander.

Schade.

Da lob ich mir so ein weißes Haus, das man mit Fotos ein bisschen bunt kriegt.

Am schönsten aber war:
Christus Pantokrator (von wikipedia übernommen)

In dem weißen Wohnzimmerregal, ganz rechts, Hüfthöhe, stand im quadratischen Raum eine Christus-Ikone (nicht oben die, aber ebenfalls eine Christus Pantokrator). In dem einzigen Fach mit Glastür. Sie sah mir aus wie eine ganz normale gerahmte Ikone vom russischen oder griechischen Flohmarkt. Meine griechische Freundin hatte mir eine Marienikone im gleichen Rahmen mal mitgebracht. Vor Jahrzehnten. Diese aber war blitzsauber, im weißen blitzblanken Regal, hinter Glas wo man sich spiegeln kann - wie ein ganz ganz kostbar Ding. Gläubige Gastgeber.
Leider ergab sich nicht die Möglichkeit sie auf die Ikone anzusprechen. Die Kinder machten so ein Durcheinander und Lärm. Kurz: hatten Spaß und ließen so gerade noch das Haus stehen.
Ich spreche sie aber noch darauf an.



18.05.2013

Vater und Mutter ehren

Diesen post habe ich schon ganz lange im Entwurf. Wenn ich ihn öffne, dann steht nichts drin. Weil ich geschrieben habe und geschrieben und zum Schluss dann alles schnell gelöscht.

Vater und

Nun ist nur noch meine Mutter da. Ich werde mich um sie kümmern. Sie ist 73 Jahre alt und noch recht fit. Doch mein Eindruck ist, dass es nun langsam los geht mit Krankheit. Zum Glück sehr langsam. Doch sie ist auch keine Best-Agerin, die in Outdoorklamotten noch die Welt unsicher machen könnte. Ginge nicht mehr. Hätte sie zum Glück auch nicht gewollt.

Aber als echte Sprüche 31 Frau war sie ihr Leben lang tätig. Kein Couchpotatoe wie ich. Sie wird sehr ungemütlich, wenn sie nicht im Haus und Garten herumkramen kann, obwohl sie nicht den Eindruck macht, dass sie Haus- und Gartenarbeit mag.

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass ich es ihr nicht recht machen kann. Ich versuche mich innerlich zu wappnen.
Unsere große Chance ist, dass wir beide versuchen gottgefällig zu leben. Und ich hoffe, dass wir es dann so schaffen, wie es Brunonis vor einiger Zeit in den Kartäuser-Statuten fand:





Ich möchte jedem Christen, der in einer Pflegesituation ist, empfehlen, die Statuten der Kartäuser zu diesem Thema zu lesen. Im Moment leicht zu finden bei Brunonis unter dem Label Statuten.

Dieses Zitat läßt mich nicht los im Moment. Ich erinnere mich, wie meine Mutter erzählt: "Als meine Mutter, deine Oma Katharina dann nach dem Schlaganfall im Rollstuhl saß und nicht mehr reden und nichts mehr machen konnte, da hab ich ihr öfter den Rosenkranz hingelegt: 'Da! Bete mal eine Runde!' Aber sie hat ihn immer weggeschoben."
Das war meine Oma, die ihr Leben lang täglich in die Messe ging. Sie hat ihn weggeschoben, weil sie gucken wollte, alles mitbekommen, mitten im Leben sein, mit mir Mensch-ärgere-dich-nicht spielen, was ich aber dann eigentlich mit mir selbst spielte und wir freuten uns beide, dass ich sie mal zu meinen, mal zu ihren Gunsten beschummelte.

Sehr schön kann ich dieses Zitat auch auf meine Familiensituation umschreiben: Die Kinder und ich mögen bedenken, dass ich sie um Seinetwillen umsorge und betreue. Für die Kinder vermutlich zu viel, zu früh verlangt, aber für mich ein guter Gedanke um nicht zu ermatten.

Ehren und lieben - bedeutet das dasselbe?


17.05.2013

Familienmessen - grausen, gähnen oder genießen?

Immer wieder mal wird in der blogoezese über die Familienmessen und ihr Liedgut abgelästert gelächelt.

Ich muss schmunzeln.
Ich bin auch kein Fan von Familienmessen. Gelegentlich gehe ich in eine, aber, wenn ich die Töchter nicht mitnehme, dann meide ich sie.

Eigentlich aber bin auch ich ein 'Kind' von solchen Messen. Nicht, dass ich mit meinen Eltern damals an einer teilgenommen hätte. Es gab zwar in unserer Gemeinde die "Kindermesse" sonntags um Viertel vor Neun, aber das bezog sich mehr darauf, dass Mütter und Väter ihre Kinder doch bitte in diese Messe mitnehmen sollten, damit man ansonsten Ruhe hatte. Die Predigt war etwas kürzer und ab und zu an die Kinder gerichtet. Es gab keine besonderen Lieder oder Gebete.

Ich ging aber nach der Grundschule auf die Schule der Nonnen in der Nachbarstadt. Eine Nonne war Rektorin und weitere unterrichteten Englisch, Französisch, Religion, Chemie, Biologie, Geschichte, Musik und Kunst. Die restlichen Fächer übernahmen andere Lehrer und Lehrerinnen. Donnerstags in der ersten Stunde war Messe. Man konnte auch erst zur zweiten kommen oder man konnte in der Pausenhalle rumlungern. Die meisten kamen aus christlichen Häusern und gingen in die Messe. Da gab es diese Lieder, diese moderneren, reihum bereiteten die Klassen besondere Aktionen vor und die Fürbitten wurden vorher im Religionsunterricht formuliert. Eigentlich war es sehr schön. Ich mochte den Priester nur nicht so gern leiden. Ich kann gar nicht mehr sagen warum. Vielleicht behagte mir sein Vollbart nicht. Ja, ich bin mir sicher, dass es ganz oberflächliche Gründe hatte.

Unsere Nonnen waren damals sehr modern. Man kniete da nicht mehr so viel wie in meiner Heimatgemeinde. Und man machte vorm Verlesen des Evangeliums auch nicht mehr die drei kleinen Kreuzchen auf Stirn, Mund und Brust. Man glaubte daran, dass Lazarus doch eher scheintot gewesen war, zu meiner großen Verunsicherung.
Aber - im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass sich die mehr oder minder strengen Nonnen aus ganzen Kräften um uns bemüht haben. Uns zu Menschen nach Gottes Herzen zu bilden, zu Menschen, die Gott suchen.

Haben diese Lieder mich Gott erfahren lassen? Weiß nicht. Mich gebildet, informiert? Eher nicht, lag aber mehr an meinem Alter als am Liedgut. Fand ich die Lieder abstoßend? Nö. Hatte ich Lieblingslieder? Ja. Erinnere mich aber an kein einziges.
Was wirklich schön war: das Gemeinschaftsgefühl, wenn man diese Lieder schmetterte (Schwester Adelburga holte die Gitarre raus). Christen. In seinem Namen versammelt.


Es hat mir nicht geschadet dort in die Messe zu gehen.
Es hat mir auch  nicht geschadet mich in unserer Gemeindemesse unsäglich zu langweilen.
Ich bin irgendwie auf den Geschmack gekommen. Auf meinen ganz eigenen. (Nr. 861).

Ich vertraue darauf, dass Gott noch das usseligste Lied zum Ruf gebrauchen kann. Wer Ohren hat zu hören, der hört.
Und doch versteh ich jeden, der einen Bogen um Familienmessen macht. Wer die Wahl hat, der darf auch wählen.

Ich befürchte ja, dass die Gemeindereferentin mich dazu bringen will in der Liturgiegruppe für die Familienmessen zuständig zu sein und dem Pastor zu helfen. Soweit ich weiß gibt es da kaum Engagement. Wisst ihr was? Ich glaub, ich würd es machen. Vielleicht rufe ich sie mal an. Unsägliche Familienmessen in Huppickhausen. ;-) Genuß natürlich!





15.05.2013

Vor Deinem Angesicht

Am Sonntag war ich in der Nachbargemeinde in der hl. Messe und der Pastor gab keine Chance zu entfliehen, sondern ging nahtlos zur eucharistischen Anbetung über. Die Orgel spielte Gotteslob, Paderborner Anhang 861, wo es in der allerletzten Zeile heißt: "Gib uns deinen Segen, deine Kinder lieben dich."

Und ich fing an zu heulen.

Aber richtig schlimm. Es schüttelte mich.

Zum Glück hatte ich Taschentücher dabei.

Das Lied ist lang.

Ich weiß gar nicht, wie mir geschah. Es war irgendwie schön. Und irgendwie schrecklich. Es war ein wenig den Wehen bei der Geburt der Tochter ähnlich. Dieses Gefühl, da passiert etwas, das zu groß für mich ist und ich will aussteigen, ich kann das nicht. STOP!!! Und gleichzeitg das Staunen über die Gewaltigkeit.

Es lag an dem Lied. Denn als die Musik endete und der Priester sprach wurde ich ganz schnell ruhig. Und wie es einem ja so oft nach herzhaftem Weinen geht: innerlich still.

Verschwebendes Schweigen?

Ich fürchte mich vor Gott.
Vor der Nähe. Vor der Größe. Vor dem Auftrag.
Ich möchte mein Gesicht verhüllen.
Ich bin nicht da. Mich kannst du nicht meinen.

Komm Heiliger Geist, komm. Ohne dich bin ich nichts.

Herr, ist mein Herz stolz? Blicken meine Augen hochmütig? Gehe ich um mit Dingen, die zu wunderbar und zu hoch für mich sind? Lass meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter lass meine Seele still in mir sein. Und hilf mir harren auf dich von nun an bis in Ewigkeit. Ich will harren auf den Herrn.
 

14.05.2013

Vorübergegangen

Zwar habe ich mir nach Eugenies Ratschlag noch die Kräuter besorgt, doch einen dicken Umschlag für meinen Zahn habe ich nicht mehr gemacht. Es war nicht mehr nötig.

Geholfen hat:
Die Beißschiene jede Nacht tragen.
Morgens Öl ziehen.
Superduperzahnpflege: 3 Minuten putzen, Zahnseide, Mundspülung mit "1 Tropfen" und das nach JEDEM Essen und deshalb auch
nur 3 Mahlzeiten am Tag, eine davon Knochen- oder Gemüsebrühe und keine Getreideprodukte (letzteres aus obskurer Ernährungslehre).

Die Besserung kam ziemlich schnell. Zuerst kehrte der Schmerz nur zurück, wenn ich Brot oder Brötchen aß (weil das so leicht an den Zähnen klebt?), aber inzwischen geht auch das wieder. Die Brühen (Vitamine und Mineralien) behalte ich noch etwas bei und die Superduperbleibdranzahnpflege und die Beißschiene natürlich auch.

So hat sich ergeben, dass das stetige und viele und viel zu süße Essen gemäßigt wurde. Was mich freut.

Und so ergibt sich nun, da ich mich als fast geheilt betrachte (mutig den Zahnarzttermin auf Anfang Juni), dass die Schokoladengelüste und zwischendurchessen-Gelüste wiederkehren. Seufz.

Der russische Pilger empfiehlt erst mal im Evangelium zu lesen. So lange, bis die Gelüste gebannt sind. Ich kenne mich, mach ich nicht. Wahrscheinlicher ist, dass ich anfange einen Bogen um die Bibel zu machen.
All die guten "Mach doch stattdessen"-Ratschläge helfen nichts. Ich hoffe auf Willenskraft stärkende Stoßgebete. Komm Heiliger Geist und gib mir Kraft. Kraft zur Mäßigung. Insgesamt aber fühle ich mich durch diese ganze Episode irgendwie aufgemuntert. Auch wenn ich mir sicher bin, dass es 'nur' an der Beißschiene liegt - bin doch auf einen guten Weg gekommen. Darf nun aber nicht abweichen. Heiliger Geist? Kraft?



08.05.2013

The Rocean

Ich habe heute bei der Rosenkranzbeterin gelesen, bin dann über ein paar Klicks zu Christi Himmelfahrt und Pfingsten auf das Thema Novenen gekommen und wollte mich bei der Braut des Lammes informieren. Und wie ich dort einen Kommentar hinterlasse, soll ich die Worte "the rocean" eintippen.

Ah!

Das klingt doch nach etwas "Echtem". (= hiesiger Dialekt für: wirklich und vollständig gut)

Es klingt nach einem Ozean von Rosenkranzgebeten.
Es klingt nach rauschenden Wellen, endlosen Weiten, Brisen und Stürmen, Gischt, Sonnenhimmel, Gewitterschwärze.
Das Wasser. Oberfläche. Und die Tiefe.

So kann Rosenkranzbeten vielleicht sein: ein Ozean von Worten, Perlen wie die Wellen und die Nähe zu GOTT, dem Du, dem unbegreiflich groß und wunderbaren in der Betrachtung der Geheimnisse, die Tiefe darunter.

Ist mir schleierhaft wie man Rosenkranzbeten für langweilig halten kann.


07.05.2013

(Gem)eine Art der Gebetserhörung

Kann Gott gemein sein?
So gemein wie jede andere Mutter und jeder anderer Vater auch, der sagt: "Tut mir leid. Du hast schon genug gehabt." Total gemein. Aus der Kinderperspektive.

Nun war mir, wie jedem Kind auch, durchaus klar, dass ich 'zuviel' habe. Ihr wisst schon. Deshalb spreche ich ja auch von Völlerei. Niemals genug Schokolade.

Also habe ich gebetet und gebetet, dass ich zu einem Einsehen kommen möge. Und von der Schokolade lassen könnte. Und dass mir das nicht so zum Kampf würde, weil ich da ja immer verliere. Es sollte, bitte schön, ganz von allein gehen.

Was soll ich sagen? Gott hat mich erhört!
Seit zwei Wochen ist es überhaupt kein Kampf mehr auf Schokli zu verzichten. Denn:

Der Zahn bubbert.

Gemein, gemein.
Falls Gott sich schon nicht in den Lauf der Natur bestärkend eingemischt hat, so hat er es immerhin zu meinem Besten auch nicht abgewendet.
Naturgesetz: Wenn man ständig Süßkram ist, kriegt man Karies. Wenn man mit Karies rumläuft und nicht zum Zahnarzt geht, dann bubbert es irgendwann ganz ungemütlich.

Da kann ich gut auf Schokolade verzichten.

Es stellt sich heraus, dass der Zahnarzt und ich nicht wissen, welcher Zahn im schmerzenden Bereich der Übeltäter ist. (Es schmerzt überall links.)
Es hat sich aber auch herausgestellt, dass es mir sehr gut geht, wenn ich auf Süßes komplett verzichte und mich mit vitaminreichen Brühen versorge. Keine Angst, ich kann kauen, normale Mahlzeiten gibt es auch, aber eben kein Süßkram.

Weil es schön ist, wenn nichts bubbert, da links.

Den nächsten Termin habe ich Ende nächster Woche, der Zahnarzt rechnet damit, dass bis dahin Brühen nichts mehr helfen und ich klar spüre, wer der Übeltäter ist.
Ich hoffe, dass Gott noch einmal wohlwollend eingreift und eine Spontanheilung bewirkt. Verdient hab ichs nicht.

*seufz*
Ich wünschte, ich wäre von der Nascherei geheilt.


06.05.2013

Zirkus und/beim Kirchgang

Am Samstagnachmittag besuchten die Töchter und ich den kleinen Familienzirkus auf der Kirmeswiese. Die Vorstellung war exakt die gleiche wie vor einem Jahr. Nur die Form war etwas anders. Die jüngeren Akrobaten und Darsteller hatten sich verbessert, der Jongleur hatte einen schlechten Tag. Meine Töchter waren noch begeisterter als vergangenes Jahr. Ältere Tochter möchte nun Jonglage mit Hulahoop-Reifen vorführen. Jüngere Tochter möchte Schweine-Dressur darbieten, denn Schweine hat sie bitter vermisst. Okay.

Ich hatte den Kindern schon vorher erklärt, dass wir ein paar Minuten vor Ende der Aufführung gehen müssen um noch rechtzeitig zur Kirche zu kommen. Sie nahmen es gelassen. Zumal ich versprach, zum Ponyreiten am Sonntagnachmittag wieder zu kommen.
Jüngere Tochter haute zwischendurch ab, zu meinem Schrecken, und guckte dann unter der Zeltplane durch und winkte mir, ich müsse ihr beim Pipi machen helfen. Seufz. Okay.
Dann gingen wir ein paar Minuten früher und bogen noch schnell in den Supermarkt ein um dort eine ordentliche Toilette aufzusuchen, beide Kinder. Jüngere Tochter, die zweite.

Waren wir doch recht spät, aber gerade rechtzeitig in der Kirche. Ich vor lauter Kinderrumbugsiererei vergessen ein Gotteslob mit nach vorne zu nehmen. Egal, ich kannte die Lieder. Predigte unser Diakon. Er predigt lange. Die Töchter lagen erschöpft gegen mich gelehnt. Jüngere Tochter hatte schon beim Eingangslied verkündet, dass sie Bauchweh habe. Die Zuckerwatte. Unauffällige Bauchmassage. Der Diakon wollte nicht aufhören. Zartes Stimmchen (Tochter, nicht Diakon): "Ich muss Pipi." "Was?" "Ich muss Pipi." Jüngere Tochter, die dritte. "Du warst doch schon zweimal, das kann doch nicht sein." zische ich erbost. Weil ältere Tochter ja früher mit dem Pipi-Trick sehr erfolgreich war. Jüngere Tochter schaut mich stumm und leidend an. Ich beschließe, dass ich es nicht überleben werde, wenn jüngere Tochter auf den Holzboden oder den weinroten Teppich nässt. Erkläre kurz, dass wir jetzt rausgehen und dann wieder reinkommen. Und gehen dann raus.

Ach ja. So ein Mittelgang kann sehr lang sein. Alle guckten interessiert. Hoffentlich kam nicht gerade die Kernbotschaft der Predigt, denn dann hat sie niemand mitbekommen. Ich guckte freundlich zurück. Kopf hoch halten. Doof fand ich, dass nicht einer lächelte oder grinste. Sie glotzten. Vielleicht im Predigt-abschalt-Modus?

Draußen tatsächlich zum dritten Mal Pipi.

Als wir reinkommen wird gesungen. Rest der Messe vorbildlich. Kurz vor der Wandlung wollten sie einen Lachanfall bekommen. Keine Ahnung weswegen. "Still jetzt!" zische ich, "Das ist jetzt ein ganz heiliger Moment!" Sie reißen sich erfolgreich zusammen.

Jüngere Tochter fragt, warum ich nicht zur Kommunionbank gehe. "Weil ich dich heute dreimal angeschrieen habe, wo es gereicht hätte, wenn ich streng spreche." Sie guckt beeindruckt. "Ich habe ein schweres Herz deswegen und ich fühl mich gar nicht bereit jetzt Jesus Christus in Brot zu empfangen." Beeindruckt. "Ja." sagt sie dann, "das glaub ich auch nicht, dass der Jesus das gut findet, wenn du mit uns schreist." Wir grinsen uns an. Eins zu null für sie. Ich verzichte auf die Belehrung, dass ich bei gehorsamen Kindern nicht...

Die Messe ist aus. Die Oma nimmt die Bälger mit zur Eisdiele und ich kann "in Ruhe und Frieden" mit 12 anderen die Komplet beten. Aber erst nachdem ich wieder nach hinten gerumpelt und gebumpelt bin um mir das Gotteslob zu holen, aus dem wir beten.

Die Huppickes kriegen noch den Ruf weg. *grinst*


04.05.2013

25.000 Dollar

Vor einiger Zeit las ich im Buch "Eine Million Meilen in tausend Jahren" von einer Familie, Mann, Frau, Tochter, die auseinanderzufallen droht. Der Autor, Freund des Mannes, überlegt im Gespräch, dass die Familie im Moment eine 'schlechte story' lebt und man diese Story 'umschreiben' müsse. Zu einer guten Geschichte.

Das gärt in dem Mann und schließlich findet er heraus, dass es 25.000 Dollar kostet ein Waisenhaus in Mittelamerika zu errichten und er setzt alles daran dieses Geld zusammen zu bekommen. Frau und Tochter haben erst schwer dran zu schlucken, fangen schließlich auch Feuer. Und dann ist die Story herausragend: die Tochter gibt dem üblen Freund den Laufpass, sammelt Spenden, fliegt -habvergessenwohin- und das Waisenhaus entsteht. Tatsächlich. Die Steine werden gemauert.
Wie das mit denen weitergeht, steht nicht in dem Buch.
Es ist nur ein Beispiel wo eine schlechte Geschichte (Tochter in einer Missbrauchsbeziehung, zerfallende Ehe) in eine gute Geschichte umgewandelt wird.

Manchmal ist mein Mann zermürbt. Die Arbeit ist so viel und oft so - sinnlos. Das Rumgezuppele mit Kollegen, anderen Firmen, diesem, jenem, schlimmer als im Kindergarten sagen wir oft.

Als ich ihm diese 25.000 Dollar Waisenhaus Sache erzählt hatte, guckte er mich groß an. "Echt? Nur 25.000 Dollar und man hat ein Waisenhaus?"

Nun können wir uns alle denken, dass da mehr dran hängt. Flugkosten, die Unterhaltung später, das Personal  usw usw. Es wird wohl mehr werden. Aber das Häuschen stünde dann irgendwann jedenfalls. Und ob 25.000 oder 35.000. Worum es eigentlich geht ist: Man könnte versuchen etwas zu tun, dass einem absolut Sinn macht. Und wenn nur ein Kind dadurch gerettet wird (nämlich dass, was wir bei dem vergeblichen Versuch vom Waisenhaus vielleicht kennenlernen und dann adoptieren?)

Etwas GUTES tun, etwas GROßES, etwas, das zuerst viel zu groß erscheint. Und Schritt für Schritt mit Gottvertrauen doch machbar ist.

Ich sage meinem Mann vielleicht nicht oft genug, dass ich froh bin, dass er seine Arbeit macht. Dass wir dank ihm so einige gute Gleise, Brücken, Unterführungen, Bahnhofsanlagen haben. "Wenn die Kinder in dieser Bahn fahren, dann hab ich keine Angst, dass sie wegen krummer Gleise entgleist." sollte ich sagen, denn mein Mann weiß ja, dass Bahnentgleisungsfantasien bei mir nicht absurd sind.

Ich sehe, dass ihm der Gedanke vom Waisenhaus ein Trost ist. 'Wenn mir alles zu blöd ist, werf ich den Krempel hin und bau ein Waisenhaus in CostaRica.' denkt er sich.

Bau ich mit oder sag ich: Bleib am Boden.
Steh ich an seiner Seite, wenn er den Wunsch hat 'einen Unterschied zu machen' und das zu tun, das seinem Wesen entspricht. Ich meine nicht ein Waisenhaus, aber eben eine Art 25.000 Dollar Sache.

Diese Gedanken kamen mir durch diesen Post bei Annotatiunculae.

Hm. Was ist eigentlich MEINE 25.000 Dollar Sache?




03.05.2013

Ein leeres Hochamt - eine verlassene Mutter?

Der 1. Mai ist ja der Feiertag "Tag der Arbeit". In meinem Buch aber ist es auch ein Marienfeiertag, weil ja der Monat der Maienkönigin. Mir ist schon bewusst, dass es in meiner Umgebung um "raus an die frische Luft" und "gut essen und trinken" geht. Nix mit Maienkönigin.

Ich war also darauf gefasst, dass in der hl. Messe, die im Gemeindebrief als Hochamt angekündigt war, nur wenige Gläubige auftauchen würden. Obwohl sie etra anderthalb Stunden früher als sonst anfing, damit man danach noch wandern kann.

Meine Mutter freute sich wie ein Honigkuchenpferd, das ich zur Messe wollte, sooo fromm hatte sie mich nicht eingeschätzt. Ich wunderte mich, bis ich dann die Kirche sah: Gähnend leer. Ich saß als einzige vorne am Mittelgang auf der "Frauenseite". Die Männerseite vorne und die "frommen Plätze" hinter den Säulen waren mit großen Lücken besetzt. Als ich von der Kommunionbank zurückkam stellte sich gerade der letzte vorne auf (bei uns steht man nebeneinander). Da ist es in jeder Werktagsmesse voller.

Wat wird dat Maria nu denken? Is dat nit total traurig?

Keine Messdiener, keine 2. Lesung, keine Predigt.
Nun.
So ein "Tag der Arbeit" ist nunmal kein kirchlicher Feiertag. Es war eine Werktagsmesse mit etwas mehr Marienliedern.

Aber der Pfarrer betete mit dem Herzen.
Das machte alles wett.
Er hatte so schöne Formulierungen, ich wünschte, ich hätte sie aufschreiben können. Ich hoffe, ich erinnere mich bald an sie. Manchmal kommen die Worte erst Tage später zu mir zurück. Ich war so einige Male ganz abgelenkt, zerstreut. Werktagsmesse auch in mir.
Wobei aber eine Werktagsmesse eine gute Sache ist. Kein Grund zur Meckerei. Alles wird gut.
Heute gehe ich zur Messe und beim nächsten Mal vielleicht noch jemand dazu.
Heute bin ich zerstreut und beim nächsten Mal ganz dabei.

Es ist Mai.

Alles wächst. Herr, lass Dankbarkeit für das, was ich habe, und Zufriedenheit wachsen. Und Herr, hilf, dass wir uns zu dir drehen wie die Pflanzen nach dem Licht, denn du bist unsere Nahrung und Zuflucht. Bei dir ist Mai. Und, danke Herr, für Maienkönigin und Mai.

Wachse in seinem Segen!


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