Sie haben neu gebaut und es ist alles noch ganz unfertig. Aber blitzblank und ganz aufgeräumt. Bestimmt für uns. Aber bestimmt auch sonst regelmäßig, denn wer kleine Kinder hat und sich trotzdem eine hochglänzendweiße Küche, einen großen Esstisch mit weißem Milchglas und weißglänzende Wohnzimmermöbel über weißgefliestem Boden und vor weißen Wänden hinstellt - der hat keine Angst vor Schmier und Schmutz, der putzt. Natürlich, regelmäßig, wie von selbst. Vermute ich.
Das ist nix für mich.
Nicht wegen des Putzens.
Ich brauche Farbe um mich. Bei uns ist im Wohnzimmer alles in hellem Holz (Essbereich) und dunklem Holz (LungeraufderCouchrumbereich) und vor gelben Wänden bunt dekoriert.
Was mir aber in all dem Weiß auffiel: Die Fotos vom Geburtstagskind, ihrer kleinen Schwester und vom Ehepaar kamen so gut zur Geltung! Sie hatten auch so viele hängen. Mir gefiel das sehr. Mein Mann und ich kommen aus Familien, in denen keine Fotos aufgehängt wurden. Bei uns nur Stickbilder und bei ihm nur Pferde- und Schafsbilder. Dementsprechend gibt es bei uns relativ wenige Fotos. 2 stehen auf dem Regal im Flur. 4 recht kleine im Wohnzimmer, neben dem Fernseher. In der Küche hängen die Wasserfarbenbilder auf Kleinkindniveau, die ich vor Jahren malte und die meine Mutter immer veranlassen kopfschüttelnd zu sagen: "Ich kapier nicht wie, aber irgendwie sehen diese Bilder den beiden sehr ähnlich." Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Es wirkt etwas lieblos auf mich. Gewollt und nicht ganz geschafft.
Die wunder-wunderschönen Fotografien, von der Profi-Fotografin einmal im Jahr im Kindergarten, all die liebenswerten Schnappschüsse, die ich im Laufe der Jahre geschossen - in dem einen Regal da durcheinander.
Schade.
Da lob ich mir so ein weißes Haus, das man mit Fotos ein bisschen bunt kriegt.
Am schönsten aber war:
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| Christus Pantokrator (von wikipedia übernommen) |
In dem weißen Wohnzimmerregal, ganz rechts, Hüfthöhe, stand im quadratischen Raum eine Christus-Ikone (nicht oben die, aber ebenfalls eine Christus Pantokrator). In dem einzigen Fach mit Glastür. Sie sah mir aus wie eine ganz normale gerahmte Ikone vom russischen oder griechischen Flohmarkt. Meine griechische Freundin hatte mir eine Marienikone im gleichen Rahmen mal mitgebracht. Vor Jahrzehnten. Diese aber war blitzsauber, im weißen blitzblanken Regal, hinter Glas wo man sich spiegeln kann - wie ein ganz ganz kostbar Ding. Gläubige Gastgeber.
Leider ergab sich nicht die Möglichkeit sie auf die Ikone anzusprechen. Die Kinder machten so ein Durcheinander und Lärm. Kurz: hatten Spaß und ließen so gerade noch das Haus stehen.
Ich spreche sie aber noch darauf an.










